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Somatische Belastungsstörung. Was ist das und wie äußert sie sich?

Die somatische Belastungsstörung ist eine psychische Erkrankung, bei der eine Person ausgeprägte körperliche Symptome erlebt, die Leiden verursachen und das tägliche Funktionieren beeinträchtigen.

Diese Symptome lassen sich nicht vollständig durch eine medizinische Erkrankung erklären, und die übermäßigen Gedanken, Gefühle oder Verhaltensweisen der betroffenen Person in Bezug auf diese Symptome stehen in keinem angemessenen Verhältnis zum tatsächlichen Gesundheitsproblem.

Menschen mit einer somatischen Belastungsstörung „simulieren“ ihre Symptome nicht; die Schmerzen und das Unbehagen, die sie erleben, sind real. Die psychologische Fokussierung auf diese Symptome wird jedoch überwältigend und anhaltend, was zu Angst und erheblichen Beeinträchtigungen führt.

Somatische Belastungsstörung. Was ist das und wie äußert sie sich? Sora Shimazaki / Pexels

Zentrale Merkmale der somatischen Belastungsstörung

Körperliche Symptome

• Anhaltende Symptome wie Schmerzen, Müdigkeit oder Atembeschwerden, die nicht vollständig durch eine medizinische Erkrankung erklärbar sind
• Die Symptome können einen oder mehrere Körperbereiche betreffen und von leicht bis schwer ausgeprägt sein

Übermäßige Gedanken und Verhaltensweisen

• Unverhältnismäßige Sorge hinsichtlich der Schwere der Symptome
• Häufige und wiederkehrende Gedanken über die Symptome, mit Fokus auf die schlimmsten möglichen Szenarien
• Übermäßiger Zeit- und Energieaufwand für die Suche nach medizinischer Versorgung oder Rückversicherung
• Hohes Maß an gesundheitsbezogener Angst: anhaltende Beschäftigung mit der körperlichen Gesundheit und die Furcht, dass die Symptome auf eine schwere Erkrankung hinweisen, trotz ärztlicher Beruhigung

Arten somatischer Symptome und assoziierte Störungen

Hypochondrie
Anhaltende Sorgen, eine schwere Krankheit zu haben oder zu entwickeln, selbst bei geringen oder fehlenden körperlichen Symptomen.

Konversionsstörung (funktionelle neurologische Symptomstörung)
Neurologische Symptome wie Lähmungen, Krampfanfälle oder Sprachstörungen, die nicht auf eine medizinische Erkrankung zurückzuführen sind.

Faktische Störung
Absichtliches Vortäuschen von Symptomen oder selbstzugefügte Verletzungen, um die Rolle einer kranken Person einzunehmen, ohne offensichtliche äußere Belohnungen.

Körperdysmorphe Störung
Übermäßige Beschäftigung mit wahrgenommenen Makeln im äußeren Erscheinungsbild, die häufig zu repetitiven Verhaltensweisen oder der Suche nach kosmetischen Behandlungen führt.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genaue Ursache der somatischen Belastungsstörung ist nicht eindeutig geklärt, man geht jedoch davon aus, dass sie aus einer Kombination biologischer, psychologischer und umweltbedingter Faktoren resultiert:

Genetische Faktoren: Eine familiäre Vorgeschichte somatischer Störungen oder von Angststörungen kann das Risiko erhöhen.

Persönlichkeitsmerkmale: Eigenschaften wie eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit, negatives Denken oder eine Tendenz zur Katastrophisierung.

Kindheitserfahrungen: Frühkindliche Traumata, Vernachlässigung oder die Exposition gegenüber chronischen Erkrankungen in der Familie können die Entwicklung einer somatischen Belastungsstörung beeinflussen.

Begleitende psychische Erkrankungen: Angststörungen, Depressionen oder andere affektive Störungen treten häufig gemeinsam mit der somatischen Belastungsstörung auf.

Behandlungsmöglichkeiten

Psychotherapie:
Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) – die wirksamste Behandlungsform; sie hilft Patientinnen und Patienten, negative Denkmuster und Verhaltensweisen zu verändern, gesündere Bewältigungsstrategien zu entwickeln und die übermäßige Beschäftigung mit den Symptomen zu reduzieren.
Achtsamkeitsbasierte Therapie – Techniken wie Achtsamkeitsmeditation können helfen, Stress zu reduzieren und die Fähigkeit zur Symptombewältigung zu verbessern.

Medikamentöse Behandlung: Antidepressiva, insbesondere selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), können hilfreich sein, um Symptome zu lindern, vor allem wenn gleichzeitig Angst oder Depression vorliegen.

Stressmanagement- und Entspannungstechniken: Praktiken wie Yoga, Meditation und tiefe Atmung können die körperlichen und psychologischen Auswirkungen von Stress reduzieren.

Aufklärung und Unterstützung:
Aufklärung der Patientinnen und Patienten über die Verbindung zwischen Körper und Geist sowie das Verständnis, dass die Symptome real sind, jedoch von psychologischen Faktoren beeinflusst werden.
Die Unterstützung durch Familie und Freunde ist ebenso entscheidend für die Genesung wie ein mitfühlender Ansatz seitens der Gesundheitsfachkräfte.

Kontinuierliche medizinische Betreuung: Die Betreuung durch eine einzige vertrauenswürdige medizinische Fachperson, die die Symptome überwacht und unnötige Untersuchungen oder Behandlungen vermeidet, kann verhindern, dass sich die betroffene Person übermäßig auf ihre Gesundheit fokussiert.

Autor: Ema D.
Aktualisiert: 28/08/2024

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