Startseite Psychische Schwierigkeiten Trends Beziehungen und Partnerschaft Theorien in der Psychologie Kontakt Spenden Suche

Selektiver Mutismus – was ist das und wie äußert er sich?

Der selektive Mutismus ist eine Angststörung, bei der eine Person – meist ein Kind – in bestimmten sozialen Situationen, in denen erwartet wird zu sprechen, wie etwa in der Schule oder in der Öffentlichkeit, nicht sprechen kann, obwohl sie in anderen Situationen oder Umgebungen, zum Beispiel zu Hause mit der Familie, problemlos spricht.

Diese Störung geht über bloße Schüchternheit hinaus und kann die alltägliche Funktionsfähigkeit, soziale Beziehungen sowie die schulische Leistung erheblich beeinträchtigen.

Zentrale Merkmale des selektiven Mutismus

Anhaltende Unfähigkeit zu sprechen in bestimmten Situationen: Die betroffene Person kann in vertrauten und sicheren Umgebungen (z. B. zu Hause) normal sprechen, verstummt jedoch in sozial anspruchsvolleren Kontexten.

Beeinträchtigung der Alltagsfunktionen: Die fehlende verbale Kommunikation kann zu schulischen, sozialen oder später auch beruflichen Schwierigkeiten führen.

Dauer: Der Mutismus besteht in der Regel mindestens einen Monat (über den ersten Schulmonat hinaus, in dem eine gewisse Zurückhaltung noch als normal gilt).

Nicht durch sprachliche oder kommunikative Barrieren bedingt: Die Störung ist nicht auf mangelnde Sprachkenntnisse oder fehlende Vertrautheit mit der gesprochenen Sprache zurückzuführen.

Angstbezogen: Selektiver Mutismus steht in engem Zusammenhang mit sozialer Angst. Die betroffene Person kann eine intensive Furcht davor haben, beurteilt, beschämt oder negativ bewertet zu werden.

Selektiver Mutismus – was ist das und wie äußert er sich? Nathan Dumlao / Unsplash

Häufige Verhaltensweisen bei selektivem Mutismus

Das Kind kann zu Hause frei sprechen, bleibt jedoch in sozialen Umgebungen wie der Schule oder in Gegenwart fremder Personen stumm.

Statt zu sprechen können nonverbale Kommunikationsformen genutzt werden, wie Kopfnicken, Zeigen oder Mimik.

Das Kind kann ein „erstarrtes“ Verhalten zeigen, wirkt angespannt, vermeidet Blickkontakt oder scheint blockiert in Situationen, in denen Sprechen erwartet wird.

Ursachen und Risikofaktoren

Genetik und Temperament: Kinder mit familiärer Vorbelastung für Angststörungen oder mit einem von Natur aus schüchternen und gehemmten Temperament haben ein erhöhtes Risiko.

Soziale Angst: Die zugrunde liegende Ursache ist häufig eine ausgeprägte soziale Angst, bei der die Furcht vor dem Sprechen überwältigend wird.

Umweltfaktoren: Bestimmte Umgebungen oder Situationen, die vom Kind als belastend empfunden werden, können den Mutismus auslösen oder aufrechterhalten.

Therapeutische Ansätze

Verhaltenstherapie: Die schrittweise Exposition gegenüber sozialen Situationen und die Förderung von Kommunikation in kleinen, gut kontrollierbaren Schritten bilden den Kern der Behandlung.

Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Sie hilft dem Kind, Gedanken und Ängste im Zusammenhang mit dem Sprechen in bestimmten Situationen zu erkennen und zu bewältigen.

Sprach- und Sprechtherapie: In einigen Fällen liegt der Fokus auf dem Aufbau von Kommunikationsfähigkeiten und Selbstvertrauen in sozialen Interaktionen.

Einbezug von Familie und Schule: Die enge Zusammenarbeit zwischen Therapeut:innen, Eltern und Lehrkräften ist entscheidend für den Behandlungserfolg.

Medikamentöse Behandlung: In schweren Fällen können angstlösende Medikamente eingesetzt werden, um die allgemeine Angst zu reduzieren und den therapeutischen Fortschritt zu unterstützen.

Autor: Ema D.
Aktualisiert: 28/08/2024

Empfohlene artikel