Startseite Psychische Schwierigkeiten Trends Beziehungen und Partnerschaft Theorien in der Psychologie Kontakt Spenden Suche

Histrionische Persönlichkeitsstörung

Die histrionische Persönlichkeitsstörung ist eine Erkrankung, die durch ein durchgängiges Muster übermäßiger Emotionalität und aufmerksamkeitssuchenden Verhaltens gekennzeichnet ist.

Menschen mit dieser Störung fühlen sich häufig unwohl, wenn sie nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen, und können unterschiedliche Verhaltensweisen einsetzen – wie dramatische Gefühlsäußerungen oder verführerisches Verhalten –, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Dieses Verhalten kann zu Schwierigkeiten in persönlichen und beruflichen Beziehungen führen.

Histrionische Persönlichkeitsstörung Estefano / Pixabay

Zentrale Merkmale

Übermäßiges Aufmerksamkeitsbedürfnis: Menschen mit histrionischer Persönlichkeitsstörung streben ständig danach, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen. Sie können sich unwohl oder nicht wertgeschätzt fühlen, wenn sie nicht beachtet werden. Dieses starke Bedürfnis nach Aufmerksamkeit kann zu dramatischen, extravaganten oder situationsunangemessenen Verhaltensweisen führen.

Dramatische und übertriebene Emotionen: Betroffene zeigen ihre Emotionen häufig in übersteigerter oder theatralischer Weise. Ihre Gefühlsäußerungen können auf andere oberflächlich oder übermäßig dramatisch wirken. Die Stimmung kann sich rasch ändern, wobei Reaktionen oft übertrieben erscheinen.

Unangemessen verführerisches Verhalten: Personen mit histrionischer Persönlichkeitsstörung können kokettes oder verführerisches Verhalten einsetzen, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Dieses Verhalten beschränkt sich nicht unbedingt auf romantische oder sexuelle Kontexte, sondern kann auch in sozialen oder beruflichen Situationen auftreten. Sie können sich provokativ kleiden oder sich übermäßig vertraut bzw. sexuell anzüglich verhalten.

Oberflächliche und rasch wechselnde Emotionen: Die Emotionen können oberflächlich und kurzlebig sein. Eine Person kann in einem Moment starke Gefühle zeigen und kurz darauf zu einer anderen Emotion wechseln. Diese emotionale Labilität kann Beziehungen unvorhersehbar oder instabil erscheinen lassen.

Übermäßige Beschäftigung mit dem äußeren Erscheinungsbild: Betroffene legen oft großen Wert auf ihr Aussehen und investieren viel Zeit und Mühe in Pflege, Kleidung und andere Aspekte ihres Erscheinungsbildes. Sie glauben möglicherweise, dass ihre Attraktivität entscheidend ist, um Aufmerksamkeit und Anerkennung zu erhalten.

Suggestibilität: Menschen mit dieser Störung sind häufig leicht von anderen oder von aktuellen Trends beeinflussbar. Ihre Meinungen und Überzeugungen können sich je nach Situation oder sozialem Umfeld rasch ändern, was zu Inkonsistenzen im Verhalten und in den Einstellungen führen kann.

Wahrnehmung von Beziehungen als intimer, als sie tatsächlich sind: Personen mit histrionischer Persönlichkeitsstörung nehmen ihre Beziehungen oft als enger oder intimer wahr, als sie objektiv sind. Sie können glauben, zu jemandem eine tiefe Bindung zu haben, den sie gerade erst kennengelernt haben oder mit dem sie nur eine oberflächliche Beziehung pflegen. Dies kann zu Missverständnissen und Enttäuschungen führen, wenn andere diese emotionale Investition nicht erwidern.

Übertriebene Sprache: Die Sprache kann dramatisch sein, mit übermäßigem Enthusiasmus oder Emotionalität, und es kann an Details oder Substanz fehlen. Die Person kann eine großspurige Ausdrucksweise verwenden oder extreme Verallgemeinerungen machen. Häufig wird so gesprochen, dass Aufmerksamkeit erregt werden soll, etwa durch besonders eindrucksvolle oder mitreißende Formulierungen.

Ursachen

Die genaue Ursache der histrionischen Persönlichkeitsstörung ist nicht vollständig geklärt, man geht jedoch davon aus, dass sie aus einer Kombination genetischer, umweltbedingter und sozialer Faktoren entsteht. Mögliche beitragende Faktoren sind:

Genetische Faktoren: Eine familiäre Vorgeschichte von Persönlichkeitsstörungen oder anderen psychischen Erkrankungen kann das Risiko erhöhen, eine histrionische Persönlichkeitsstörung zu entwickeln.

Frühkindliche Erfahrungen: Kindheitserfahrungen wie inkonsistente elterliche Aufmerksamkeit, übermäßig nachgiebige oder vernachlässigende Erziehung oder frühe Exposition gegenüber stark dramatischem Verhalten können zur Entwicklung der Störung beitragen.

Kulturelle und soziale Einflüsse: Gesellschaftliche oder kulturelle Normen, die dramatisches oder aufmerksamkeitssuchendes Verhalten betonen oder belohnen, können ebenfalls eine Rolle spielen.

Behandlung

Psychotherapie:
Kognitive Verhaltenstherapie – kann Betroffenen helfen, Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen und zu verändern, die ihr Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Bestätigung verstärken. Die Therapie kann sich auf die Entwicklung gesünderer Wege konzentrieren, Aufmerksamkeit zu suchen und Beziehungen zu gestalten.
Psychodynamische Therapie – dieser Ansatz kann zugrunde liegende emotionale Konflikte, Kindheitserfahrungen und Beziehungsmuster untersuchen, die zur Störung beitragen.
Unterstützende Therapie – der Aufbau einer stabilen, vertrauensvollen therapeutischen Beziehung kann dazu beitragen, dass sich die betroffene Person wertgeschätzt fühlt, ohne auf dramatisches Verhalten zurückgreifen zu müssen.

Medikamente: Obwohl es keine spezifischen Medikamente zur Behandlung der histrionischen Persönlichkeitsstörung gibt, können Antidepressiva oder angstlösende Medikamente eingesetzt werden, wenn begleitende Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen vorliegen.

Gruppentherapie: Gruppentherapie kann hilfreich sein, da sie Feedback von anderen ermöglicht und die Entwicklung ausgewogenerer zwischenmenschlicher Fähigkeiten fördert. Allerdings kann es Betroffenen anfangs schwerfallen, sich in einer Gruppensituation auf andere zu konzentrieren.

Autor: Ema D.
Aktualisiert: 25/09/2024

Empfohlene artikel